Woche der Demenz 6.Tag 26.09.2020 - Zitate zum Thema Demenz

Die Art und Weise, wie Sie sich uns gegenüber verhalten, hat einen großen Einfluss den Krankheitsverlauf. Sie können unsere Persönlichkeit wieder aufbauen und uns das Gefühl geben, gebraucht und geschätzt zu werden. Die Zulus haben ein Sprichwort, das es auf den Punkt bringt worum es geht: Eine Person wird erst durch andere zu einer Person. Bestätigen Sie uns, umarmen Sie uns, unterstützen Sie uns und zeigen Sie uns, dass wir eine Bedeutung im Leben haben. Respektieren Sie uns für das, was wir immer noch tun und sein können und sorgen Sie dafür, dass wir soziale Kontakte aufrecht erhalten. Es ist sehr schwer für uns, der Mensch zu sein, der wir einmal waren. Deshalb gestatten Sie uns, der Mensch zu sein, der wir jetzt sind und erkennen Sie an, wie viel Mühe wir uns geben, zu funktionieren.

(Christine Bryden 2005)

 

 Es fällt mir seit Monaten schwerer und schwerer, andere Menschen zu treffen, solche Einladungen, die immernoch zahlreich kommen, anzunehmen. Dieses Gefühl, nicht privat, sondern in der Öffentlichkeit zu sein. Früher habe ich das ja genossen. Der rote Teppich, die Kameras-das war auch meine Welt. Wenn meine Tochter, oder meine Sekretärin heute bei solchen Anlässen mit dabei sind, helfen sie mir, schirmen mich ab, mischen sich rechtzeitig ein. Und dennoch entstehen unangenehme peinliche Momente. Ich erkenne gewisse Leute , zum Teil alte Freunde und gute Bekannte, auf den ersten Blick nicht mehr- das ist einfach nur schlimm für mich, eine Qual. Ich kann sie dann nicht direkt mit Namen ansprechen, bin unsicher. Im Grunde möchte ich in diesem Moment nur weg.

(Rudi Assauer 2012, S. 232)

 

 Oder, wenn ich merke, dass ich Aussetzer habe, nicht sofort verstehe, worum es geht. Wenn ich das ein oder andere Wort nicht finde, die Sätze nicht richtig beenden kann. Natürlich schäme ich mich dann. Und sage lieber gar nichts. Es kann aber auch das Gegenteil passieren, wenn ich in ein Gespräch verwickelt werde und keine gute Tagesform habe. Bin ich ungeduldig mit mir und meinen Mitmenschen, sage ich etwas, was mir später leidtut, schimpfe. Dann muss ich hinterher extra betonen, dass ich das gar nicht so gemeint habe. Ich mache Sachen oder sage Dinge, von denen ich nichts mehr weiß später. Das macht mich kirre, das ist schrecklich.

(Rudi Assauer 2012, S. 232)

 

 Friederike Coester

Leiterin Demenzdienste - Malteser Hilfsdienste -Mainz

 

Woche der Demenz 3.Tag 23.09.2020- Mit Demenz im Krankenhaus

Du wachst auf…

 Du wachst auf – oder träumst du? Du liegst in einem Bett. Um dich herum herrscht Hektik. Weiß gekleidete Personen, die du nicht kennst – oder ist da deine Kollegin Anna? – laufen umher, sprechen (über dich?). Du bemühst dich sie zu verstehen, doch es gelingt dir nicht. Auf einmal geht dir eine Licht auf: Du musst auf der Arbeit sein, im Labor in dem du als Chemiker beschäftigt bist. Voller Tatendrang möchtest du aufstehen, doch da fühlst du einen dumpfen Schmerz. Du kannst nicht zuordnen wo er herkommt, betastest Deinen Körper. Da sind Schläuche an dir. Du weißt nicht warum. Du versuchst dich zu befreien. Auf einmal ist eine Person bei dir. Sie wirkt irgendwie freundlich, doch scheint sie nicht richtig bei dir zu sein. Sie sagt etwas zu dir in einem ermahnenden Tonfall. Du verstehst nicht. Hast du etwas falsch gemacht? Du scheinst hier nicht richtig zu sein, möchtest dich auf den Weg machen, doch ein Schmerz hindert dich daran. Plötzlich verspürst du das dringende Gefühl nach Hause zu müssen, doch du hast keine Ahnung, wie du dort hinkommen könntest. Du kennst den Weg nicht. Eine Angst breitet sich in dir aus, erfüllt dich. Du hast Sehnsucht nach Deiner Mutter, du rufst um Hilfe, bist verzweifelt.

In diesem Moment kommt eine sehr freundliche Frau auf dich zu. Sie begrüßt dich mit deinem Namen. Sie scheint dich zu kennen, setzt sich zu dir. Sie scheint dich zu verstehen. Sie strahlt Ruhe aus. Irgendwie erinnert sie dich an eine Zeit, in der die Welt noch „in Ordnung“ war. In Dir steigt ein Gefühl von Hoffnung auf.

(Friederike Coester -Malteser Hilfsdienst e.V. Leitung Demenzdienste- inspiriert von Tom Kitwood)

Woche der Demenz 4.Tag 24.09.2020- SET auf der gerontopsychiatrischen Station der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz

SELBSTERHALTUNGSTHERAPIE

 ,,Beißen, Schreien, Kratzen. So war ich nie. Was jetzt hilft? Selbsterhaltungstherapie!

Ich will hier raus, doch wo nur hin?

Das macht für mich überhaupt keinen Sinn.

Ich bin hilflos und so allein, das muss jetzt nicht mehr sein.‘‘

  ,,Hilfe kann ich dir geben, dich umarmen oder reden. Dich kennenlernen wer du bist und was dir im

Leben wichtig ist. Auch wenn du mich beim falschen Namen nennst,

du Sachen von früher noch sehr gut kennst.

Hab keine Angst, wir werden dir Sicherheit geben und Schritt für Schritt erforschen dein Leben.

Ressourcen erhalten, was immer es ist, du kannst tun, was du möchtest, wenn du bei uns bist.

Sei nicht traurig, gib mir die Hand, gemeinsam setzen wir uns auf die Gartenbank.

Schau, wie die Pflanzen ranken, wir bringen dich garantiert auf andere Gedanken.

Wir holen dich ab, dort wo du stehst, selbst wenn du ein paar Schritte Rückwärts gehst.‘‘

 Viel Zuwendung und Empathie, das ist unsere Strategie. Wir lassen sie Mensch sein, nehmen sie an,

das ist das Beste, was man bei einer Demenz machen kann. Der Mensch wird älter, vergisst häufig

viel, ihn dabei zu unterstützen ist unser Ziel. Angehörige einbinden, Besuche im Heim, denn der

Mensch soll auch danach noch gut versorgt sein. Mit Herz und Verstand, das ist unsere Devise,

wir helfen in jeglicher Krise.

 Gedicht verfasst vom Team der gerontopsychiatrischen Station der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz

 

 Seit Februar 2019 arbeitet das Team der gerontopsychiatrischen Station der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz nach der Selbsterhaltungstherapie nach Barbara Romero. Dies ist eine nicht-medikamentöse Behandlungsform für Menschen mit einer Demenz-Erkrankung. Bei dieser steht die Anpassung an die Krankheitsfolgen im Fokus. Es werden individuell geeignete Aktivitäten wie auch Erlebnis- und Teilhabemöglichkeiten, die den Betroffenen weder unter- noch überfordern und auch nicht befremden, aufgebaut. Die Umgangs- und Kommunikationsformen, das materielle Umfeld und Wohnumfeld werden an die individuellen Bedürfnisse angepasst.

Im Rahmen der Selbsterhaltungstherapie werden Menschen mit Demenz dabei unterstützt, entsprechend ihrer Interessen und Möglichkeiten am alltäglichen Leben teilzunehmen und die eigenen kognitiven, sozialen und körperlichen Ressourcen im Alltag zu stabilisieren.

Die Angehörigen und Bezugspersonen werden in die Behandlung konsequent mit einbezogen, beraten und angeleitet und erhalten individuelle „Therapeutische Empfehlungen“ zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Behandlung.

Woche der Demenz 5.Tag 25.09.2020- Verhaltensbesonderheiten im Perspektivwechsel

Liebe Schwester Beate!

 Als Du letztens das Abendessen vorbereitet hast, habe ich trotz meiner Demenz gesehen, wie viel Du zu tun hast. Da ich mir nie zu schade war, mich um den Haushalt zu kümmern, wollte ich Dir gerne helfen. Ich weiß nichts von Hygienebestimmungen und auch nicht, dass ich es in meiner Demenz nicht mehr  so genau nehme mit der Körperpflege. Ich legte immer viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Dass ich dieses nicht mehr ohne Hilfe aufrechterhalten kann, ist mir nicht  bewußt.

Meine Hilfe hast Du etwas zögerlich angenommen, doch als ich Dir Arbeit abnehmen wollte und nach dem Messer griff, wolltest Du es mir nicht geben. Ich konnte das nicht verstehen.

Auch fehlt mir oft die Möglichkeit mich auszudrücken und so versuchte ich Dir das Messer aus der Hand zu nehmen. Kannst Du verstehen dass ich nur helfen wollte, wie ich es gewohnt bin? Nichtstun ist schrecklich. Auch ich habe, wie jeder Mensch das Bedürfnis zu etwas nütze zu sein. Ich hatte nie lange Weile in meinem Leben. Immer war irgendetwas zu tun. Nun aber laufe ich umher und weiß nicht wo mein Platz ist. Mir fehlt ein Lotse im Alltag, der mich führt und mir zeigt, wo ich mich nützlich machen kann. Das würde mir Selbstvertrauen schenken. So aber bin ich orientierungslos und das macht mir Angst. Diese Angst macht mich un- ruhig. Darum laufe ich oft orientierungslos und unruhig umher. Dass dies Euch nervt und dass Ihr Angst habt, dass ich mich verlaufen oder fallen könnte, auch das ist mir nicht bewusst.

Leider hat die Demenz mich auch meine Grenzen vergessen lassen. Ich kann eigene Gefahren nicht erkennen und auch nicht, dass ich andere Menschen verletzen könnte. Sei versichert, dass ich ohne meine Erkrankung niemals wissentlich jemandem Schaden zufügen könnte. Ich kann meine Emotionen nicht mehr steuern und leide selbst am meisten darunter. Ich weiß kurz nach einer eskalierten Situation schon nicht mehr was vorher war und verstehe all die Aufregung um mich herum nicht. Das macht mir Sorgen.

Hier leben so viele Menschen. Menschen die ich und die mich nicht mehr verstehen. Manchmal wird mir alles zu viel. Dann suche ich mein Zimmer. Wie oft finde ich mein Zimmer und da ist eine andere Person drin. Ich verstehe nicht, wenn diese sich aufregt und dann noch Verstärkung durch Dich, liebe Schwester Beate, bekommt. Ich soll aus meinem Zimmer gehen, aber wohin? Ich brauche doch auch ein zu Hause, aber wo ist das?

Letztens hatte ich meinen Pullover in der Hand. Dass es nicht meiner war, wußte ich nicht. Dann wolltest Du ihn mir wegnehmen, das konnte ich nicht verstehen und verteidigte ihn. Du hast nicht locker gelassen und mir gesagt er gehöre mir nicht. Damit hast Du mir Diebstahl unterstellt. Das hat mich sehr aufgebracht. Dabei will ich niemandem etwas Böses.

All Deine logischen Erklärungen sind für mich nicht hilfreich, auch nicht wenn ich spüre, dass Du sauer auf mich bist. Ich verstehe nicht warum. Deine innere Abwehr fordert mich heraus zur Gegenwehr, nach dem Motto: Wie man in den Wald hineinruft….

Mein Bedürfnis so zu leben, wie ich es immer gewohnt war, ist noch immer da. Mein Leben war Arbeiten und feiern. Ich war immer sehr aktiv, gesellig und sehr liebevoll meinen Lieben gegenüber.

 Nun müssen wir sehen, wie wir zu Recht kommen. Vielleicht können wir wieder etwas aufeinander zu gehen. Das würde mich sehr freuen!

 

Ihr Heinz P.

 

Birgit Mai - Demenzfachberaterin - AWO Seniorenzentrum "Am Rosengarten" in Mainz

 

 

Woche der Demenz 7.Tag 27.09.2020- Ein ganz normaler Tag

Ein ganz normaler Tag….

 in einem Altenheim aus der Sicht eines Menschen mit Demenz

 Auch wenn der Tag eines Menschen mit Demenz voller Hürden und Hindernisse zu sein scheint, ist nie alles nur schlimm. Die Gefühlslage wechselt ständig, je nach von außen kommenden Impulsen. Manche Situation kann durch einfühlsames Handeln positiv gestaltet werden: Dies setzt jedoch ein „sich in den Gegenüber einfühlen können“ voraus. Dafür soll diese kleine Geschichte sensibilisieren.

 Denkmal Demenz AWO SZ Am Rosengarten

 

Ein ganz normaler Tag…..

 

Ich werde wach und frage mich wo ich bin. Jeden Tag aufs Neue. Die Möbel kenne ich nicht und dennoch ist mir dieses Zimmer vertraut. Ich lasse meine Blicke schweifen, da ist mein Hochzeitsfoto – ach war das ein schöner Tag!

Wo ist eigentlich mein Mann? Ich glaube er ist nicht mehr da. Traurigkeit steigt in mir hoch. Meine Blicke schweifen weiter und Glück wechselt dem Gefühl der Traurigkeit. Ich schaue auf das Foto meines Sohnes. Wie stolz ich auf ihn bin. Er ist ein guter Junge.

 Eine junge Frau betritt das Zimmer und wünscht mir freundlich einen „Guten Morgen“. Sie kommt mir bekannt vor, ich kenne jedoch ihren Namen nicht. Ich bin so vergesslich geworden. Früher hatte ich ein sehr gutes Namensgedächtnis und sprach alle Stammkunden in meiner Bäckerei mit dem Namen an. Heute ist alles anders. Die junge Frau erinnert mich daran, dass es Zeit wird aufzustehen. Ich setze mich auf die Bettkante und weiß schon nicht mehr wie es weiter geht. Ich schau die junge Frau hilflos an.

 Sie gibt mir Hilfestellung und begleitet mich ins Bad. Ich wusste nicht mal, dass hinter dieser Tür ein Badezimmer ist. Was ist nur mit mir los? Mich macht diese Vergesslichkeit zornig und gereizt. Die junge Frau sagt mir was ich tun soll. Als ob ich das nicht selbst wüsste. Da kommt so ein junges Ding und will mir erzählen, dass ich mich waschen soll. Ich komme mir bevormundet vor und zische ihr zu „Das weiß ich selbst“! 

Dann stehe ich aber vor dem Waschbecken und weiß nicht mehr wie es weiter geht. Wo ist denn die Seife? Die junge Frau reicht mir eine Flasche und drückt oben auf ein Hähnchen und da kommt eine blaue Flüssigkeit auf meinen Waschlappen getropft. Früher sah meine Seife anders aus. Der ganze moderne Kram macht mich ganz verrückt.

 Irgendwann ist dann die Morgentoilette geschafft und ich bin angezogen. Jetzt bin ich völlig geschafft. Die junge Frau ist noch immer da und sagt ich soll in die Wohnküche gehen. Ja wo war die noch mal? Wo bin ich überhaupt?

 Ich gehe aus der Tür des Zimmers und stehe auf einem langen Flur. Viele Türen und ich öffne eine davon und schau hinein. Da schreit mich ein alter Mann an „Raus“! - was für ein Benehmen. Ich habe nicht die Zeit ihm meinen Missmut zu bekunden, weil ich die Flucht ergreife. Er drohte mir mit seinem Stock. Ich will weg, nach Hause. Hier fühle ich mich bedroht, unsicher und ich weiß nicht wohin ich soll. Eine weitere Türe zu öffnen trau ich mich nicht. Eine etwas ältere Frau kommt freundlich auf mich zu, hakt sich bei mir unter und spricht mich mit meinem Namen an. Sie kennt mich. Endlich mal jemand, der mich kennt. Ich sage ihr dass ich nicht weiß wohin ich gehen soll und ich frage sie, ob sie mir den Weg nach Hause zeigen kann.

Sie sagte ich solle erst mal Frühstücken. Das klingt gut. Sie begleitet mich in einen Raum, wo schon einige Menschen sitzen. Ich bekomme einen Platz zugewiesen und mir werden frische Brötchen und herrlich duftender Kaffee hingestellt. Kaffee tut jetzt gut.

 Ich mache mir Sorgen, als ich feststellen muss, dass ich meine Handtasche nicht dabei habe und darin ist meine Geldbörse. Ich kann also den lecker duftenden Kaffee nicht bezahlen. Was mach ich nur? Ich stehe auf, aber bevor ich den Raum verlassen kann, ruft eine Dame mir zu ich solle mich wieder auf meinen Platz setzen und frühstücken. Na wenn die es sagt…. ich frühstücke. Wie gut das war.

Leider habe ich nun klebrige Hände und meine Versuche diese mit der Serviette zu säubern haben zur Folge, dass sich das Papier der Serviette auflöst und zusätzlich an meinen Händen kleben bleibt. Die junge Dame hinter dem Tresen muss mein Bemühen erkannt haben, denn sie bringt mir ein feuchtes Tuch und ein Handtuch. Jetzt geht es mir besser.

 Ich würde jetzt gerne noch etwas schlafen und stehe auf. Ich muss mein Bett suchen und verlasse den Raum. Wieder die vielen Türen. Ich geh nach Hause. Da kenn ich mich aus und weiß wo mein Bett steht. Nach Hause? Wo ist das und wie komme ich da hin? Ich frage eine Frau, die geschäftig an mir vorbei läuft. Sie dreht sich kurz um und antwortet: „Sie sind doch hier zu Hause. Sie wohnen doch jetzt hier“ und geht weiter.

 Was hat sie gesagt? Ich wohne jetzt hier? Sie muss sich irren. Ich laufe weiter. Ich komme mir vor wie in einem Irrgarten. Viele Türen und kein Ausgang. Irgendwie war ich schon mal hier und ich laufe weiter. Angst macht sich breit und ich gerate fast in Panik. Mir geht die Luft aus und ich habe immer noch keine Lösung für mein Problem gefunden. Ich rufe laut „Hallo, kann mir jemand helfen?“ ..immer und immer wieder. Endlich kommt jemand.

 Den jungen Mann kenne ich, irgendwoher. Er erscheint mir wie mein Retter in der Not und das sage ich ihm auch. Er freut sich und hakt sich bei mir unter. Ich bitte ihn mich nach Hause zu bringen. Er schüttelt bedauernd den Kopf und sagt „Leider kann ich hier nicht weg. Ich muss noch etwas arbeiten, aber später sehen wir mal, was wir für Sie tun können.“ Das verstehe ich. Pflichtbewusstsein ist wichtig. Er lädt mich ein an der Gymnastikrunde teilzunehmen und ich wäre dumm, wenn ich ihn aus den Augen verlieren würde. Er ist meine Rettung. Also lass ich ihn nicht vom Haken.

 Die Gymnastikrunde ist lustig. Es macht Spaß den Luftballon hin und her zu schubsen. Das bringt viele Erinnerungen. Ich sehe mich als Kind mit einem Luftballon spielen. Luftballons, waren sehr rare Artikel in meiner Kinderzeit. Ich muss lachen. Denn plötzlich platzt der Ballon und einige der Anwesenden kreischen laut. Ein neuer Ballon wird aufgepustet. Jetzt fällt mir mein Sohn ein. Auch er hatte viel Freude am Spiel mit Luftballons.

Ich frage den jungen Mann ob er weiß wo mein Sohn ist. Er antwortet, dass mein Sohn sicher arbeiten ist, so fleißig wie er ist und so gut wie ich ihn erzogen habe. Das freut mich und ich bin beruhigt. Ich bin stolz auf meinen Sohn. Er ist ein guter Junge.

 Ich stehe auf und will gehen. Der junge Mann bittet mich noch zu bleiben. Ich würde ihm den Gefallen gerne tun, wenn ich nicht dringend zur Toilette müsste. Aber ich sag ihm das nicht, ich trau mich nicht - er ist doch ein Mann. Also bin ich wieder auf der Sucheund wieder Türen und nichts als Türen. Langsam wird es eng. Ich treffe eine ältere Dame und frage sie nach der Toilette. Sie schaut stumm durch mich hindurch und reagiert nicht. Menschen gibt’s. Ich rege mich über diese Unhöflichkeit auf und gehe weiter. Langsam bekomme ich Schweißperlen auf der Stirn. Und dann ist es passiert. Ich fange an zu weinen. Was ist aus mir geworden? Ich will nach Hause. Nach Hause, wo ich mein Bett finde, wo mir der Weg zur Toilette vertraut ist, wo mein Sohn mich findet und wo mich die Nachbarin besucht….die Tränen laufen unaufhaltsam.

Eine junge Frau kommt auf mich zu und versucht mich zu trösten. Sie schaut an mir herunter und mir wird ganz heiß. Jetzt fliegt`s auf. Ich erkläre ihr, dass ich mich in irgendwas Nasses gesetzt haben muss und tue völlig unbeteiligt. Ich bitte sie, mir zu zeigen, wo ich frische Kleidung herbekomme. Sie erzählt mir, dass sie sich auch schon auf eine nasse Bank gesetzt habe und wie unangenehm das war. Rasch habe ich saubere und vor allem trockene Kleidung an und bitte die junge nette Frau mich nach Hause zu begleiten. Sie ist so freundlich, dass sie mich noch zum Mittagessen einlädt. Das ist doch richtig nett. Und diese Einladung nehme ich gerne an. Sie zeigt mir wo ich Platz nehmen darf und ich bekomme ein leckeres Essen. Jetzt bin ich aber müde. So richtig satt und müde.

 Die junge Frau kommt wieder und fragt mich, ob ich ein Mittagsschläfchen halten möchte. Als ob sie es gerochen hat – sie begleitet mich in ein Zimmer, welches mir irgendwie vertraut vorkommt. Da ist mein Hochzeitsbild. Wo ist eigentlich mein Mann? Und da ist das Bild meines Sohnes. Er ist ein guter Junge!

Ich schlafe ein und träume von vergangenen glücklichen Zeiten.

 Ich werde wach und frage mich wo ich bin. Immer wieder…. Die Möbel kenne ich nicht und dennoch ist mir dieses Zimmer vertraut. Ich lasse meine Blicke schweifen, da ist mein Hochzeitsfoto – ach war das ein schöner Tag. Wo ist eigentlich mein Mann? Ich glaube er ist nicht mehr da. Traurigkeit steigt in mir hoch. Meine Blicke schweifen weiter…und Glück wechselt dem Gefühl der Traurigkeit. Ich schaue auf das Foto meines Sohnes. Wie stolz ich auf ihn bin. Er ist ein guter Junge.

 Ich habe keine Ahnung wie spät es ist. Ist Abend oder Morgen? Ich fühle mich zeitlos, haltlos, ziellos, mutlos und verzweifelt.

Ich bleibe am Besten im Bett. Hier fühle ich mich sicher und geborgen. Gedanken kommen und gehen, sie fliegen davon um wieder in meinem Kopf einzubrechen. Aber nur Bruchstücke. Ich bekomme vieles in meinem Kopf nicht mehr geordnet, ganz gleich wie ich mich bemühe. Was ist nur los mit mir?

 Eine junge Frau kommt in das Zimmer und fragt mich ob ich zum Nachmittagskaffee komme. Aha, es ist Nachmittag. Gut zu wissen. Ich frage sie, ob sie mir sagen kann wo ich die Cafeteria finde. Sie scheint mich etwas verständnislos anzuschauen, bietet mir jedoch an mich dahin zu begleiten. Ich stehe auf und zupfe meine Kleidung zurecht. Alles muss schnell gehen, sonst ist die nette junge Frau möglicherweise wieder weg. Ob ich noch mal nach der Toilette frage? Ich tue es einfach. Sie öffnet eine Tür in dem Zimmer – ich wusste nicht dass dort eine Toilette ist. Gut zu wissen!

 Der Nachmittagskaffee ist lustig. Es laufen die mir sehr vertrauten Ohrwürmer im Radio. Ich singe den „kleinen grünen Kaktus“ lautstark mit. Ich habe großen Spaß. Ein Mann an meinem Tisch schreit „Ruhe“ – was geht mich der Mann an und ich singe weiter. Ich lass mir meinen Spaß nicht verderben.

 Plötzlich streichelt mir jemand sanft über den Rücken. Ich drehe mich um und schaue in das Gesicht eines stattlichen Mannes, der mir seltsam vertraut vorkommt.

Er begrüßt mich mit den Worten: „Hallo Mutter“ – es ist mein Sohn. Glückseeligkeit erfüllt mein Herz. Jetzt ist alles gut. Obwohl ich ein klein wenig irritiert bin. Ich hatte ihn ganz anders in Erinnerung. Er ist erwachsen geworden und ich habe es nicht bemerkt. Wie seltsam. Aber er tut mir gut. In seiner Nähe fühle ich mich geborgen und sicher. Wir gehen spazieren. Ich freue mich über die Blumen und die Sonne, die meine Nase kitzelt. Er erzählt mir von Menschen, die ich kennen sollte, aber von denen ich nichts mehr weiß. Meine Vergesslichkeit. Aber ich tue so, als ob ich bestens bescheid weiß. Er soll sich keine Sorgen machen. Er hat genug um die Ohren. Er ist ein guter Junge.

Er bringt mich zurück in den Raum mit den anderen Menschen. Ich flehe ihn an, mich mit nach Hause zu nehmen. Ich klammere mich an ihn. Auch er sagt mir, dass ich jetzt hier wohne. Ich lasse resigniert die Arme hängen. Ich sehe Traurigkeit und Schmerz in seinen Augen. Er verabschiedet sich und geht.

 Geschirr klappert und ich werde gefragt, ob ich helfe die Tische einzudecken. Die Damen sind sehr freundlich. Es wäre unhöflich nicht zu helfen und sie haben ja so viel zu tun. Ich lege Servietten auf jeden Platz. Es macht mir Freude. Früher hatte ich auch oft Gäste und alle haben sich bei mir wohl gefühlt. Ein Lächeln stiehlt sich in mein Gesicht. Ich sehe in meinen Gedanken viele vertraute Gesichter am Tisch bei uns zu Hause sitzen. Ich war eine gute Gastgeberin, eine fleißige Hausfrau und eine gute Mutter.

Wo ist mein Sohn? Warum kommt er nicht? Ich habe große Sehnsucht nach ihm. Hab ich ihn doch so lange nicht gesehen. Ich frage eine der Damen nach ihm. Sie sagt er sei doch heute hier gewesen.

Und wieso hat er sich bei mir nicht gemeldet? Wieso ist er gegangen, ohne mich zu besuchen?

 Nach dem Abendessen weiß ich mal wieder nicht wie es weiter geht. Ich wende mich an eine junge Frau. Sie fragt mich, ob ich in mein Bett möchte. Mein Bett? Ich habe hier ein Bett? Na wenn dem schon so ist, kann ich mich auch ein wenig darin ausruhen und bitte sie mir dieses „mein Bett“ zu zeigen.

Sie bringt mich in ein Zimmer, von dem sie sagt, es sei „mein“ Zimmer. An der Tür steht sogar mein Name. Im Zimmer entdecke ich noch eine Tür, mit einem Hinweisschild „Toilette- WC“ und einem netten Bildchen – das gibt mir ein gutes Gefühl.

 Die Möbel kenne ich nicht und dennoch ist mir dieses Zimmer vertraut. Ich lasse meine Blicke schweifen, da ist mein Hochzeitsfoto – ach war das ein schöner Tag. Wo ist eigentlich mein Mann? Ich glaube er ist nicht mehr da. Traurigkeit steigt in mir hoch. Meine Blicke schweifen weiter…und Glück wechselt dem Gefühl der Traurigkeit. Ich schaue auf das Foto meines Sohnes. Wie stolz ich auf ihn bin. Er ist ein guter Junge……

 ©Birgit Mai

Fachberaterin Demenz

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Mobil: 0179 111 94 59  www.demenzwerkstatt.com

Welt-Alzheimertag /Start in die Woche der Demenz 2020 - 21.09.2020:Ein Brief an das Pflegepersonal

Liebes Pflegepersonal,

 nun hab ich die Diagnose Demenz schriftlich. Ich habe es schon geahnt, wollte es jedoch lange nicht wissen. Ich bin zerstreut und meine Zettelwirtschaft wird immer größer. Wie lange noch kann ich allein und eigenständig leben? Wie lange noch kann ich meine Wünsche und Bedürfnisse ausdrücken? Mein Wunsch ist es in ein Pflegeheim zu gehen, wenn ich meinen Alltag nicht mehr meistern kann. Meine Kinder sollen ihr eigenes Leben leben dürfen.

Ich mache mir Gedanken wie mein Leben in einem Altenheim sein wird und weil ich nicht weiß, ob ich Ihnen dann noch mitteilen kann, was mir wichtig ist, schreibe ich Ihnen diesen Brief:

Ich versuche Ihnen meine Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen, in der Hoffnung, dass Sie darauf eingehen und wir gut miteinander kooperieren.

Ich bin ein Mensch, wie jeder andere. Mit Hoffnungen, Sehnsüchten und auch Eigenheiten. Ich bin ein Mensch, der sein Leben bis zur Erkrankung gut gemeistert hat. Eigenständigkeit und Selbstbestimmung war mir immer sehr wichtig. Wurde mir diese eingeschränkt, reagierte ich schon immer mit Rebellion. Meine Eltern schon hatten es nicht immer leicht mit mir. Jede Art von Druck erzeugte in mir Gegendruck. Ich frage mich, wie ich in meiner Demenz auf das Gefühl des Druckes regiere, wenn ich meine Hemmschwelle für soziale Normen verliere und wie Sie damit umgehen werden. Meine größte Angst ist, dass ich dann als „verhaltensauffällig“ abgestempelt und mit Psychopharmaka „mundtot“ gemacht werde.  Das würde ich nicht wollen und auch nicht verstehen. Vermutlich würde ich mich anfangs dagegen wehren und Ihnen die Tabletten entgegenspucken. Oder wenn ich noch lichte Momente habe, die Tabletten sammeln.

Das Wort „Du musst“ sollten Sie völlig aus Ihrem Wortschatz löschen, wenn Sie meine Kooperation erwarten. Ein beliebter Spruch von mir war schon immer: „Ich muss gar nix“. Ich glaube auch nicht, dass sich diese Lebenseinstellung in meiner Demenz ändert.

Ich werde jetzt gedanklich durch den Tag gehen und meine Bedürfnisse für Sie erfassen.

Morgens möchte ich gerne ausschlafen. Mein ganzes Leben lang habe ich gearbeitet und war an Zwänge gebunden. Im Alter würde ich gerne etwas länger schlafen, denn ich verpasse ja nichts. Außerdem sollten Sie wissen, dass ich etwas unleidlich werde, wenn man mich weckt. Und wenn ich unleidlich sage, dann ist das noch untertrieben, denn ich werde sehr übellaunig. Ich glaube nicht, dass ich dann bereit bin, mich an der Morgentoilette zu beteiligen oder diese zuzulassen.

Leider können Sie auch von mir in meiner Demenz nicht erwarten, dass ich kooperiere. Denn ich sehe nur mich und meine Bedürfnisse. Allen logischen Erklärungen kann ich nicht mehr folgen und ich bin blockiert von meinem Zorn und meiner Übellaunigkeit.

Lassen Sie mich jedoch ausschlafen und unterstützen Sie mich beim Duschen ohne (Zeit-) Druck, kommen Sie sicher gut mit mir klar.

Tägliches Duschen vor dem Frühstück ist für mich Alltagsnormalität. Manchmal habe ich zuvor eine Tasse Kaffee getrunken und ein Zigarettchen geraucht. Vielleicht erleichtert mir das das wach werden. Außerdem wäre es gut, wenn Sie mich dann auf die Toilette begleiten, denn dies ist zugleich mein „Abführmittel“. Bevorzugte Pflegemittel habe ich nicht. Aber wenn Sie mir ab uns zu einen Spritzer Chanel No 5 auflegen, gibt dies mir das Gefühl von Luxus. Ich liebe es!

Ich trage gerne bequeme Kleidung. Nichts ist schlimmer als wenn die Jeans den ganzen Tag kneift. Da ich dann bei Ihnen zu Hause bin, wäre es schön, wenn ich mich in meiner bequemen Kleidung wohl fühlen könnte. Wie sollte ich Ihnen denn in meiner Demenz mitteilen, dass die Hose kneift und ich mich nicht selbst aus dieser Situation befreien kann. Ein bequemer BH ist für mich äußerst wichtig! Schon immer fand ich es entwürdigend alte Menschen zu sehen, deren Busen ohne BH über den Bund hängt. Schon immer habe ich für mich beschlossen, dass ich das mal nicht so für mich haben möchte.

Ich bin kein eitler Mensch, aber meine Kleidung sollte sauber sein. Wenn Sie mich zu Veranstaltungen mitnehmen, dann wünsche ich mir schöne Kleidung. Das habe ich schon immer so gehalten.

Zum Frühstück esse ich gerne herzhaft. Brötchen mit Käse oder Wurst und zum Abschluss etwas Süßes – ein halbes Marmeladenbrötchen. Meinen Kaffee trinke ich schwarz! Bitte, das ist mir ganz wichtig! Ich trinke meinen Kaffee auch noch kalt, also räumen Sie ihn bitte nicht ab. In meiner Kindheit durfte ich zum Essen nichts trinken, „damit ordentlich gegessen wird“ – und erst nach dem Essen gab es ein Getränk. Also wundern Sie sich nicht. Seltsamerweise habe ich dies mein Leben lang so praktiziert.

Nach dem Frühstück würde ich mich gerne wieder ins Bett legen oder im Sessel dösen. Sie müssen mich jetzt nicht „aktivieren“. Im Fernsehen können Sie mir dabei gerne irgendeine schwachsinnige Talkshow einstellen, dabei kann ich besonders gut entspannen. Falls ich nicht vergessen habe, dass ich Raucherin bin, würde ich nach dem Frühstück gerne ein Zigarettchen rauchen. Leisten Sie mir dabei doch Gesellschaft!

Den Vormittag verbringe ich gerne in Ruhe und mit meinen eigenen Gedanken. Ich muss die vielen Leute Ihres Wohnbereiches nicht dauernd um mich herum haben. Sie müssen mich nicht integrieren, sondern ich bin gerne allein.

Auf das Mittagessen freue ich mich. Ich esse gerne. Man sieht dies auch an meiner fülligen Figur und ich hoffe Sie lassen mich nicht hungern um mich auf einen „normalen“ BMI zu bringen. Mein BMI war nie normal! Ich mag Hausmannskost, gerne Spaghetti und Hackfleischsoße, Schnitzel, Rouladen und Rotkohl, weniger mag ich zu Mittag Süßspeisen wie Pfannkuchen oder Reibekuchen. Ich weiß, in meiner Demenz kann die ganz anders sein. Probieren Sie einfach was geht.

Machen Sie meinen Teller bitte nicht zu voll. Als Kind musste ich immer den Teller leer essen, Vater saß drohend neben mir und zwang mir das inzwischen oft kalte Essen rein. Nötigen Sie mich bitte nicht! Darauf reagiere ich, wie schon anfangs beschrieben. Je mehr Druck, um so weniger erreichen Sie was Sie wollen.

Jetzt wäre ein Espresso gut. Der hilft mir mich wohl zu fühlen und setzt meine Verdauung in Gang. Zum Espresso ein Zigarettchen und Sie machen mich glücklich!

Mittagsschlaf habe ich nie gehalten, ich habe mich oft auf die Couch gelegt und habe mich berieseln lassen von irgendwelchen Talkshows. Ruhen war immer erholsamer, als schlafen (eben wegen dieser Übellaunigkeit). Für eine kuschelige Decke dabei, wäre ich Ihnen dankbar.

Ob ich den Nachmittagskaffee annehme weiß ich nicht, ich brauchte diesen nie. Aber ich komme schon mal auf die Idee am Abend Lust auf einen Kaffee zu haben. Schlafstörungen hatte ich deswegen nie.

Nachmittags hätte ich gerne Bespaßung! Dabei zu sitzen und zu beobachten, vielleicht Kommentare abzugeben, das reicht mir. Gymnastik war nie mein Ding und ein großartiger Sänger bin ich auch nicht. Für Spaß aber bin ich immer zu haben!

Abends möchte ich gerne ein Betthupferle auf meinem Nachttisch haben. Auch wenn ich es nicht esse, gibt es mir doch ein gutes Gefühl. Wenn ich nachtaktiv sein sollte, schonen Sie das Budget meines Hausarztes. Ich brauche keine Schlafmittel. Eine Weinschorle füllt Flüssigkeit auf und lässt mich wunderbar schlafen, Rotwein bevorzuge ich im Winter. Dazu hätte ich dann aber gerne ein Glas Wasser.

Ich frage mich woher Sie all diese für sie wichtigen Informationen herbekommen würden, wenn ich diesen Brief nicht geschrieben hätte. Ich glaube nicht, dass meine Tochter Ihnen diese Informationen hätte geben können.

Wenn Sie sich an diesen Informationen orientieren, kann ich mir vorstellen, dass wir gut miteinander auskommen. Vor allem fühle ich mich von Ihnen in meinen Bedürfnissen verstanden. Sich verstanden zu fühlen, hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Meine eigene Lebenseinstellung ist wertschätzender Umgang mit allen Menschen. Ob es der Obdachlose auf dem Mainzer Domplatz ist, oder der Papst. Mein Lebensmotto war „Vor Gott sind alle Menschen gleich“. Ich wünsche mir, auch wenn ich Dinge tue, die Ihnen merkwürdig erscheinen, wenn ich mein gutes Benehmen vergesse, oder wenn ich den roten Knopf an der Klingel interessant finde, dass Sie dennoch respektvoll, also wertschätzend mit mir umgehen. Ich werde mich dafür entsprechend revangieren ! Denn wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!

 

Viel Spaß mit mir!

 

Birgit Mai - Demenzfachberaterin - AWO Seniorenzentrum "Am Rosengarten" in Mainz

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